Dieser Artikel zeigt, was Adobe Commerce zusätzlich kann, was es kostet und ab wann sich der Aufstieg für ein Schweizer KMU rechnet.
Auf einen Blick
- Gleicher Kern: Adobe Commerce baut auf Magento Open Source auf und ergänzt es.
- Der Unterschied im B2B sind geteilte Kataloge, verhandelte Angebote, Bestellanforderungen und Firmenkonten.
- Kosten: Adobe publiziert keine Preisliste. Brancheneinschätzungen nennen ab rund USD 22'000 pro Jahr, umsatzabhängig steigend.
- Faustregel: Für die meisten Schweizer KMU reicht Magento Open Source plus saubere ERP-Anbindung.
Was beide gemeinsam haben
Magento Open Source ist lizenzkostenfrei und wird selbst gehostet. Adobe Commerce ist die kommerzielle Variante desselben Systems. Katalogstruktur, Bestellabwicklung, Erweiterungsarchitektur und die Grundlogik sind identisch.
Das ist wichtig, weil es bedeutet: Sie sperren sich nicht aus. Ein Wechsel von Open Source zu Adobe Commerce ist später möglich, ohne den Shop neu zu bauen. Diese Reihenfolge empfehlen wir häufiger als den umgekehrten Weg.
Was Adobe Commerce zusätzlich mitbringt
Die Zusatzfunktionen lassen sich in drei Gruppen teilen. Für B2B ist nur die erste wirklich entscheidend.
1. Die B2B-Suite. Geteilte Kataloge pro Firma, verhandelte Angebote, Bestellanforderungen und Firmenkonten mit mehreren Einkäufern und Freigabestufen. Diese Funktionen sind nativ und getestet. In Magento Open Source bauen Sie sie über Erweiterungen oder Eigenentwicklung nach.
2. Komfort und Marketing. Page Builder, Kundensegmentierung, Business Intelligence, KI-gestützte Suche und Empfehlungen. Nützlich, aber selten der Grund für einen Aufstieg.
3. Support und Betrieb. Offizieller Herstellersupport mit Reaktionszeiten und PCI-Unterstützung. Die Cloud-Variante bringt zusätzlich das Hosting mit.
Was es kostet
Adobe veröffentlicht keine offizielle Preisliste. Die Lizenz richtet sich nach dem über den Shop abgewickelten Handelsvolumen, teilweise kombiniert mit dem durchschnittlichen Bestellwert.
Brancheneinschätzungen nennen als Einstieg rund USD 22'000 pro Jahr für die selbst gehostete Variante und rund USD 40'000 für die Cloud-Variante, jeweils für Händler unterhalb einer Million Umsatz. Mit wachsendem Volumen steigt die Lizenz deutlich.
Wichtig: Die Lizenz ist nicht die Gesamtrechnung. Agentur, Hosting, Erweiterungen und Betrieb kommen in beiden Fällen dazu und machen meist den grösseren Teil aus. Bei Magento Open Source verschwindet die Lizenz, die anderen Posten bleiben. Was das über die Jahre bedeutet, steht im Artikel zu den versteckten Kosten im E-Commerce.
Wie Sie die B2B-Funktionen in Open Source lösen
Die entscheidende Frage lautet nicht "Kann Open Source das auch?", sondern "Was kostet es, es dort zu lösen?". Ein Blick auf die vier wichtigsten Punkte:
Kundenindividuelle Preise. Der Klassiker, und der Grund, warum viele über Adobe Commerce nachdenken. In der Praxis lösen wir das über die ERP-Anbindung: Das ERP führt die Konditionen ohnehin, der Shop ruft den Preis ab. Damit brauchen Sie keine geteilten Kataloge. Acht Wege vergleicht der Artikel zu Kundenpreisen im B2B-Webshop.
Firmenkonten mit mehreren Einkäufern. Über Erweiterungen gut abbildbar. Aufwändiger wird es erst bei mehrstufigen Freigabeprozessen.
Verhandelte Angebote. Ebenfalls über Erweiterungen oder eine schlanke Eigenlösung machbar, siehe RFQ im B2B-Webshop.
Bestellanforderungen und Merklisten. Häufig durch eine gute Bestellhistorie und Quick-Order ersetzbar. Ihre Kunden wollen schnell nachbestellen, nicht Listen verwalten.
Zwei Entwicklungen, die Sie kennen sollten
Hyvä ist seit November 2025 kostenlos. Das Frontend-Theme, mit dem Magento-Shops deutlich schneller werden, kostet keine Lizenz mehr. Das verschiebt die Rechnung zugunsten von Open Source, weil ein spürbarer Kostenblock wegfällt. Mehr dazu auf unserer Seite zu Magento und Hyvä.
Mage-OS ist als Community-Fork etabliert. Ein von der Community getragener Zweig von Magento Open Source, der zusätzliche Fehlerbehebungen liefert. Für Betriebe, die Sorge vor Adobes Fokusverschiebung Richtung Cloud haben, ist das ein relevantes Sicherheitsnetz.
Wann sich Adobe Commerce rechnet
Aus unserer Sicht in vier Fällen:
- Sie brauchen geteilte Kataloge für viele Firmen mit stark unterschiedlichen Sortimenten, und das ERP kann das nicht liefern.
- Ihr Handelsvolumen ist so hoch, dass die Lizenz gegenüber dem Umsatz kaum ins Gewicht fällt.
- Sie brauchen vertraglichen Herstellersupport, etwa aus Compliance-Gründen.
- Sie nutzen bereits andere Adobe-Produkte und wollen die Integration.
Trifft keiner dieser Punkte zu, ist Magento Open Source für ein Schweizer KMU in der Regel die wirtschaftlichere Wahl.
Und jetzt ehrlich
Wir arbeiten mit beiden Varianten. Trotzdem raten wir den meisten KMU zu Open Source, und zwar aus einem einfachen Grund: Die B2B-Funktionen, für die Adobe Commerce bezahlt wird, decken sich zu grossen Teilen mit dem, was Ihr ERP ohnehin kann.
Wenn Sie Kundenpreise, Sortimente und Konditionen im ERP führen, kaufen Sie mit der Lizenz eine zweite Wahrheit, die Sie dann pflegen müssen. Das ist selten sinnvoll. Wer allerdings kein leistungsfähiges ERP hat und die Logik im Shop abbilden muss, für den kann die Rechnung anders aussehen.
Fazit und nächster Schritt
Zusammengefasst: Adobe Commerce und Magento Open Source teilen denselben Kern. Adobe ergänzt eine native B2B-Suite, Komfortfunktionen und Herstellersupport, gegen eine umsatzabhängige Lizenz ab rund USD 22'000 pro Jahr. Für die meisten Schweizer KMU reicht Open Source plus saubere ERP-Anbindung, zumal Hyvä seit November 2025 kostenlos ist. Der Aufstieg bleibt später jederzeit möglich.
Wenn Sie prüfen wollen, welche Variante zu Ihrem Setup passt, finden Sie hier unser Angebot für Adobe Commerce.
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Häufige Fragen zur Adobe Commerce vs Magento
Was kostet Adobe Commerce pro Jahr?
Adobe publiziert keine Preisliste. Die Lizenz richtet sich nach dem Handelsvolumen. Brancheneinschätzungen nennen ab rund USD 22’000 pro Jahr für die selbst gehostete Variante und rund USD 40’000 für die Cloud-Variante.
Ist Magento Open Source wirklich kostenlos?
Die Lizenz ja. Hosting, Entwicklung, Erweiterungen und Wartung kosten trotzdem. Der Unterschied ist, dass diese Posten bei Adobe Commerce zusätzlich zur Lizenz anfallen, nicht anstelle davon.
Kann Magento Open Source kundenindividuelle Preise?
Ja. Nativ über Kundengruppen und Staffeln, und für echte Einzelkundenpreise über die ERP-Anbindung. Das ERP führt die Konditionen ohnehin, der Shop ruft sie ab.
Kann ich später von Open Source auf Adobe Commerce wechseln?
Ja, das ist der übliche Weg. Beide teilen denselben Kern, ein Wechsel bedeutet keinen Neubau. Deshalb starten viele KMU sinnvollerweise mit Open Source.
Was ist Mage-OS?
Ein von der Community getragener Fork von Magento Open Source mit zusätzlichen Fehlerbehebungen. Relevant für Betriebe, die Adobes Fokus auf Cloud-Produkte kritisch sehen.
Braucht ein B2B-Shop zwingend die Adobe-B2B-Suite?
Nein. Ein grosser Teil dieser Funktionen lässt sich über die ERP-Anbindung und Erweiterungen abbilden. Entscheidend ist, ob Ihr ERP die Konditionslogik sauber liefert.
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