Es gibt nicht die eine Antwort, sondern acht technische Wege, jeder mit Stärken und Grenzen. Dieser Artikel vergleicht sie und zeigt, welcher zu welchem Fall passt.
Auf einen Blick
- Native Magento-Mittel decken viele Fälle ab: Kundengruppen-Preise, Staffelpreise, Katalog- und Warenkorb-Preisregeln.
- Adobe Commerce B2B ergänzt geteilte Kataloge und verhandelte Angebote.
- Die sauberste Lösung für echte Kundenpreise ist oft die Steuerung direkt aus dem ERP.
- Faustregel: so viel Standard wie möglich, so viel Individuelles wie nötig.
Warum B2B-Preise technisch anspruchsvoll sind
Im B2C gibt es einen Preis pro Artikel. Im B2B gibt es einen Preis pro Artikel und Kunde, manchmal sogar pro Artikel, Kunde und Menge. Diese Logik lebt fast immer im ERP, und der Shop muss sie abbilden, ohne dass eine zweite Wahrheit entsteht.
Die acht folgenden Umsetzungen unterscheiden sich darin, wie fein sie steuern, wie viel Pflege sie kosten und woher die Preise letztlich kommen. Gehen wir sie durch.
1. Kundengruppen-Preise
Die Basis in Magento. Sie legen Kundengruppen an, etwa Wiederverkäufer, Grosskunden, Standard, und vergeben pro Gruppe eigene Preise.
Stärke: einfach, nativ, sofort verfügbar. Grenze: Die Preise gelten für die ganze Gruppe, nicht für den einzelnen Kunden. Wer wirklich individuelle Preise je Firma braucht, stösst hier an die Grenze. Für viele KMU mit überschaubaren Konditionsmodellen reicht es aber völlig.
2. Staffelpreise
Ebenfalls nativ. Der Preis sinkt mit der Menge: ab 10 Stück günstiger, ab 100 Stück noch günstiger. Staffelpreise lassen sich mit Kundengruppen kombinieren.
Stärke: ideal für mengenabhängige Konditionen, ein B2B-Klassiker. Grenze: Auch das ist gruppenbasiert, nicht pro Einzelkunde. Für klassische Mengenrabatte ist es das richtige Werkzeug.
3. Katalog-Preisregeln
Regeln, die Preise automatisch anpassen, etwa „20 Prozent auf alle Artikel der Kategorie X für Gruppe Y". Sie wirken auf den Katalog, bevor der Artikel im Warenkorb landet.
Stärke: mächtig für regelbasierte Rabatte über viele Artikel. Grenze: Komplexe, sich überlagernde Regeln werden schnell unübersichtlich. Gut für klare, breite Aktionen, weniger für feingranulare Einzelpreise.
4. Warenkorb-Preisregeln und Gutscheine
Rabatte, die erst im Warenkorb greifen, etwa „ab CHF 500 Bestellwert 5 Prozent" oder ein Gutscheincode. Sie verändern nicht den Artikelpreis, sondern den Warenkorb.
Stärke: flexibel für Aktionen und Schwellen. Grenze: nicht geeignet, um dauerhafte Kundenpreise abzubilden. Eher Marketing-Werkzeug als Preislogik.
5. Geteilte Kataloge (Adobe Commerce B2B)
In Adobe Commerce können Sie pro Firma einen eigenen Katalog mit eigenen Preisen freigeben. Jeder Kunde sieht nur seine Artikel zu seinen Konditionen.
Stärke: sehr feine Steuerung pro Firma, nativ in Adobe Commerce. Grenze: nur in der lizenzpflichtigen Adobe-Commerce-Variante verfügbar, nicht in Magento Open Source. Für komplexe B2B-Strukturen mit vielen Firmen sehr stark.
6. Verhandelte Angebote (Adobe Commerce B2B)
Die Funktion „Negotiable Quotes" erlaubt es Kunden, ein Angebot anzufragen und über den Preis zu verhandeln, bevor sie bestellen. Der ausgehandelte Preis wird zur Grundlage der Bestellung.
Stärke: bildet den realen B2B-Verkaufsprozess ab, bei dem über Preise gesprochen wird. Grenze: ebenfalls nur in Adobe Commerce, und es ersetzt keine systematische Preispflege, sondern ergänzt sie um den Verhandlungsfall.
7. Preise direkt aus dem ERP
Für die meisten Schweizer KMU die sauberste Lösung. Der korrekte Kundenpreis kommt in Echtzeit aus dem ERP, sobald sich der Kunde einloggt. Abacus, myfactory oder Dynamics führen die Preislogik, der Shop zeigt sie nur an.
Stärke: eine einzige Quelle der Wahrheit, keine Doppelpflege, beliebig fein je Kunde. So bilden Sie selbst komplexeste Konditionen ab, ohne sie im Shop nachzubauen. Grenze: Es braucht eine saubere ERP-Anbindung und gute Datenqualität im ERP. Wie das funktioniert, zeigt unser Guide zur ERP-Webshop-Anbindung.
8. Individuelle Entwicklung für Vertragspreise
Wenn nichts davon genügt, etwa bei sehr spezifischen Vertragspreisen je Kunde und Artikel mit eigener Logik, lässt sich eine massgeschneiderte Lösung entwickeln, die genau Ihre Regeln abbildet, meist in Kombination mit der ERP-Anbindung.
Stärke: bildet wirklich jeden Sonderfall ab. Grenze: der höchste Aufwand. Diesen Weg gehen Sie erst, wenn Standard und ERP-Steuerung an ihre Grenzen kommen, nicht vorher.
Welche Umsetzung passt zu Ihnen?
Eine kurze Orientierung:
- Überschaubare Konditionen nach Kundentyp → Kundengruppen-Preise, eventuell mit Staffeln.
- Mengenrabatte → Staffelpreise.
- Breite, regelbasierte Rabatte → Katalog-Preisregeln.
- Aktionen und Schwellen → Warenkorb-Preisregeln.
- Viele Firmen mit eigenen Katalogen → geteilte Kataloge (Adobe Commerce).
- Verhandlung gehört zum Prozess → verhandelte Angebote (Adobe Commerce).
- Echte, individuelle Kundenpreise ohne Doppelpflege → Steuerung aus dem ERP.
- Sehr spezifische Vertragslogik → individuelle Entwicklung.
Und das Wichtigste: Diese Wege schliessen sich nicht aus. In der Praxis kombinieren wir meist mehrere, etwa Kundengruppen für die Struktur und ERP-Steuerung für die Feinheiten.
Und jetzt ehrlich: Die meisten KMU brauchen weniger, als sie denken. Bevor wir etwas Komplexes bauen, prüfen wir, ob die nativen Mittel plus ERP-Anbindung reichen. Sehr oft tun sie das.
Fazit und nächster Schritt
Zusammengefasst: Für Kundenpreise im B2B-Webshop gibt es acht Wege, von nativen Kundengruppen und Staffeln über Adobe-Commerce-Funktionen bis zur Steuerung aus dem ERP und individueller Entwicklung. Der sauberste Weg für echte, individuelle Preise ist meist das ERP als Quelle der Wahrheit. Die Faustregel bleibt: so viel Standard wie möglich, so viel Individuelles wie nötig.
Wenn Sie wissen wollen, welcher Weg zu Ihren Konditionen passt, finden Sie hier unser Angebot für B2B-Onlineshops.
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Häufige Fragen zur Kundenpreise im B2B-Webshop
Kann Magento kundenindividuelle Preise?
Ja, auf mehreren Wegen. Nativ über Kundengruppen und Staffeln, in Adobe Commerce zusätzlich über geteilte Kataloge. Wirklich individuelle Preise je Einzelkunde bildet man am saubersten über die ERP-Anbindung ab.
Was ist der Unterschied zwischen Kundengruppen- und Einzelkundenpreisen?
Kundengruppen-Preise gelten für eine ganze Gruppe, etwa alle Wiederverkäufer. Einzelkundenpreise gelten pro Firma. Letztere steuert man am besten aus dem ERP, das diese Logik ohnehin führt.
Brauche ich für Kundenpreise Adobe Commerce?
Nicht zwingend. Viele Fälle löst Magento Open Source mit Kundengruppen und ERP-Anbindung. Geteilte Kataloge und verhandelte Angebote sind aber Adobe-Commerce-Funktionen.
Woher sollten die Preise kommen, aus dem Shop oder dem ERP?
In der Regel aus dem ERP. Es führt die Preislogik bereits, also sollte es die Quelle der Wahrheit sein. Der Shop zeigt den Preis nur an. Das verhindert Doppelpflege und Fehler.
Wie vermeide ich doppelte Preispflege?
Indem Sie eine einzige Quelle der Wahrheit festlegen, meist das ERP, und die Preise von dort in den Shop synchronisieren, statt sie an zwei Orten zu pflegen.
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