Dieser Artikel gibt Ihnen einen Entscheidungsbaum an die Hand. Sechs Fragen, danach wissen Sie, ob sich ein PIM für Sie rechnet oder ob Sie mit ERP und Shop weiterkommen.
Auf einen Blick
- Ein PIM lohnt sich nicht ab einer bestimmten Artikelzahl, sondern ab einer bestimmten Komplexität.
- Der stärkste Indikator sind mehrere Ausgabekanäle: Shop, Katalog, Marktplatz, Händlerportal.
- Zweitstärkster Indikator: mehrere Sprachen und viele beschreibende Attribute.
- Faustregel: Reicht das ERP für Ihre Produktdaten, brauchen Sie kein PIM. Reicht es nicht, wird der Shop es nicht retten.
Was ein PIM eigentlich tut
Ein PIM verwaltet beschreibende Produktdaten: Texte, Attribute, Übersetzungen, Bilder, Datenblätter, Zubehörbeziehungen. Es ist die Stelle, an der diese Daten gepflegt, freigegeben und an alle Kanäle verteilt werden.
Was ein PIM nicht tut: Es führt keine Preise, keine Bestände und keine Aufträge. Das bleibt im ERP. Diese Abgrenzung ist der häufigste Denkfehler in PIM-Gesprächen.
Der Entscheidungsbaum in sechs Fragen
Gehen Sie die Fragen der Reihe nach durch. Zählen Sie mit.
Frage 1: Wie viele Ausgabekanäle bedienen Sie?
Nur den Shop? Dann sprechen wenige Gründe für ein PIM. Shop plus Print-Katalog plus Marktplatz plus Händlerportal? Dann pflegen Sie heute dieselben Texte mehrfach. Das ist das stärkste Argument überhaupt.
Frage 2: In wie vielen Sprachen?
Eine Sprache ist unkritisch. Ab Deutsch, Französisch und Italienisch, also dem Schweizer Normalfall, multipliziert sich jeder Pflegeaufwand. Ein PIM verwaltet Übersetzungsstände und zeigt, was noch fehlt.
Frage 3: Wie viele beschreibende Attribute hat ein Artikel?
Fünf bis zehn Felder verwaltet jedes ERP. Bei 40 technischen Attributen mit Einheiten, Toleranzen und Normverweisen wird das ERP zum falschen Werkzeug.
Frage 4: Wie viele Varianten?
Ein Artikel in acht Grössen und sechs Farben ist keine Datenmenge, sondern eine Datenstruktur. PIM-Systeme sind dafür gebaut, ERP-Artikelstämme meistens nicht.
Frage 5: Wer pflegt die Daten?
Wenn eine Person alles pflegt, geht vieles auch ohne System. Sobald Einkauf, Marketing und Übersetzung parallel arbeiten, brauchen Sie Freigaben und Nachvollziehbarkeit.
Frage 6: Woher kommen die Daten?
Wenn Sie Datenblätter von 30 Lieferanten in 30 Formaten bekommen, ist Import und Normalisierung eine Kernaufgabe. Genau dafür sind PIM-Systeme gemacht.
Die Auswertung
- Ein bis zwei Fragen deutlich mit "komplex" beantwortet: Kein PIM. Räumen Sie stattdessen Ihren Artikelstamm im ERP auf und nutzen Sie die Attributverwaltung des Shops.
- Drei bis vier: Grenzfall. Prüfen Sie, ob eine saubere Attributstruktur im Shop plus klare Zuständigkeiten reicht. Oft tut sie das für zwei bis drei Jahre.
- Fünf bis sechs: Ein PIM rechnet sich. Sie zahlen den Aufwand heute bereits, nur verteilt auf viele Personen und ohne dass es jemand misst.
Was es kostet, und wo die Kosten wirklich liegen
Die Software ist selten das Problem. Pimcore ist in der Community-Variante lizenzkostenfrei, Akeneo hat ebenfalls eine offene Variante. Der Aufwand steckt woanders.
Der grösste Posten ist die Modellierung: Welche Attribute gibt es, wie sind sie gruppiert, welche sind pflichtig, wie hängen Varianten zusammen? Diese Arbeit nimmt Ihnen kein Tool ab, und sie entscheidet über Erfolg oder Misserfolg des Projekts.
Der zweitgrösste Posten ist die Datenmigration und Bereinigung. Wer erwartet, den bestehenden Artikelstamm einfach zu importieren, unterschätzt das regelmässig. Mehr dazu im Artikel zu den versteckten Kosten im E-Commerce.
Pimcore oder Akeneo
Beide sind ernsthafte Optionen. Grob vereinfacht:
Akeneo ist ein fokussiertes PIM. Es macht eine Sache und macht sie gut. Wenn Sie ausschliesslich Produktdaten verwalten wollen, ist der Weg dorthin kürzer.
Pimcore ist breiter aufgestellt: PIM, DAM für Medien, Datenmodellierung und optional Content-Management in einem. Das lohnt sich, wenn Sie mehr als reine Produktdaten strukturieren wollen, etwa Kunden, Dokumente oder Assets.
Für Schweizer KMU mit mehreren Kanälen und starkem Bildbedarf setzen wir meist auf Pimcore, weil das DAM mitkommt. Details auf unserer Seite zu Pimcore.
Und jetzt ehrlich
Wir haben schon Kunden davon abgeraten. Ein PIM löst kein Datenproblem, es macht es sichtbar und verwaltbar. Wenn niemand Zeit hat, Produkttexte zu schreiben, ändert ein PIM daran nichts. Es zeigt nur präziser, was fehlt.
Der häufigste sinnvolle Zwischenschritt: Räumen Sie zuerst den Artikelstamm im ERP auf und legen Sie fest, wer welches Feld pflegt. Wenn danach immer noch drückt, sprechen wir über ein PIM. Diese Reihenfolge spart oft ein ganzes Projekt.
Fazit und nächster Schritt
Zusammengefasst: Ein PIM rechnet sich nicht ab einer Artikelzahl, sondern ab einer Komplexität. Entscheidend sind die Zahl der Ausgabekanäle, die Sprachen, die Attributtiefe, die Varianten, die Zahl der Beteiligten und die Herkunft der Daten. Wer bei fünf oder sechs dieser Punkte "komplex" antwortet, zahlt den Aufwand ohnehin schon. Wer bei ein oder zwei landet, räumt besser zuerst das ERP auf.
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Häufige Fragen zur PIM-System für KMU
Ab wie vielen Artikeln braucht man ein PIM?
Es gibt keine Grenze. Entscheidend ist die Komplexität: Zahl der Ausgabekanäle, Sprachen, beschreibenden Attribute und Varianten. Betriebe mit 2’000 komplexen Artikeln brauchen eher ein PIM als solche mit 15’000 einfachen.
Was ist der Unterschied zwischen PIM und ERP?
Das ERP führt Preise, Bestände und Aufträge. Das PIM führt beschreibende Daten wie Texte, Attribute, Übersetzungen und Bilder. Beide ergänzen sich, keines ersetzt das andere.
Was kostet ein PIM-Projekt?
Die Software ist oft der kleinere Posten, Pimcore und Akeneo haben lizenzfreie Varianten. Der Aufwand liegt in der Datenmodellierung und in der Bereinigung der bestehenden Produktdaten.
Pimcore oder Akeneo, was ist besser?
Akeneo ist ein fokussiertes PIM mit kürzerem Weg zum Ziel. Pimcore kann zusätzlich Medienverwaltung und breitere Datenmodellierung. Für Betriebe mit hohem Bildbedarf ist Pimcore meist die passendere Wahl.
Kann ich mit dem Shop-System statt einem PIM arbeiten?
Für einen einzigen Kanal in einer Sprache oft ja. Sobald Katalog, Marktplatz oder Händlerportal dazukommen, pflegen Sie dieselben Texte mehrfach. Dann wird ein PIM zum ernsthaften Thema.
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