PIM klingt nach Grossunternehmen. Ist es aber nicht zwingend. Es gibt Betriebe mit 2'000 Artikeln, die ohne PIM ersticken, und Betriebe mit 15'000 Artikeln, die es nie gebraucht haben. Der Unterschied liegt nicht in der Menge, sondern in der Struktur.

Dieser Artikel gibt Ihnen einen Entscheidungsbaum an die Hand. Sechs Fragen, danach wissen Sie, ob sich ein PIM für Sie rechnet oder ob Sie mit ERP und Shop weiterkommen.

Auf einen Blick

  • Ein PIM lohnt sich nicht ab einer bestimmten Artikelzahl, sondern ab einer bestimmten Komplexität.
  • Der stärkste Indikator sind mehrere Ausgabekanäle: Shop, Katalog, Marktplatz, Händlerportal.
  • Zweitstärkster Indikator: mehrere Sprachen und viele beschreibende Attribute.
  • Faustregel: Reicht das ERP für Ihre Produktdaten, brauchen Sie kein PIM. Reicht es nicht, wird der Shop es nicht retten.

Was ein PIM eigentlich tut

Ein PIM verwaltet beschreibende Produktdaten: Texte, Attribute, Übersetzungen, Bilder, Datenblätter, Zubehörbeziehungen. Es ist die Stelle, an der diese Daten gepflegt, freigegeben und an alle Kanäle verteilt werden.

Was ein PIM nicht tut: Es führt keine Preise, keine Bestände und keine Aufträge. Das bleibt im ERP. Diese Abgrenzung ist der häufigste Denkfehler in PIM-Gesprächen.

Der Entscheidungsbaum in sechs Fragen

Gehen Sie die Fragen der Reihe nach durch. Zählen Sie mit.

Frage 1: Wie viele Ausgabekanäle bedienen Sie?
Nur den Shop? Dann sprechen wenige Gründe für ein PIM. Shop plus Print-Katalog plus Marktplatz plus Händlerportal? Dann pflegen Sie heute dieselben Texte mehrfach. Das ist das stärkste Argument überhaupt.

Frage 2: In wie vielen Sprachen?
Eine Sprache ist unkritisch. Ab Deutsch, Französisch und Italienisch, also dem Schweizer Normalfall, multipliziert sich jeder Pflegeaufwand. Ein PIM verwaltet Übersetzungsstände und zeigt, was noch fehlt.

Frage 3: Wie viele beschreibende Attribute hat ein Artikel?
Fünf bis zehn Felder verwaltet jedes ERP. Bei 40 technischen Attributen mit Einheiten, Toleranzen und Normverweisen wird das ERP zum falschen Werkzeug.

Frage 4: Wie viele Varianten?
Ein Artikel in acht Grössen und sechs Farben ist keine Datenmenge, sondern eine Datenstruktur. PIM-Systeme sind dafür gebaut, ERP-Artikelstämme meistens nicht.

Frage 5: Wer pflegt die Daten?
Wenn eine Person alles pflegt, geht vieles auch ohne System. Sobald Einkauf, Marketing und Übersetzung parallel arbeiten, brauchen Sie Freigaben und Nachvollziehbarkeit.

Frage 6: Woher kommen die Daten?
Wenn Sie Datenblätter von 30 Lieferanten in 30 Formaten bekommen, ist Import und Normalisierung eine Kernaufgabe. Genau dafür sind PIM-Systeme gemacht.

Die Auswertung

Was es kostet, und wo die Kosten wirklich liegen

Die Software ist selten das Problem. Pimcore ist in der Community-Variante lizenzkostenfrei, Akeneo hat ebenfalls eine offene Variante. Der Aufwand steckt woanders.

Der grösste Posten ist die Modellierung: Welche Attribute gibt es, wie sind sie gruppiert, welche sind pflichtig, wie hängen Varianten zusammen? Diese Arbeit nimmt Ihnen kein Tool ab, und sie entscheidet über Erfolg oder Misserfolg des Projekts.

Der zweitgrösste Posten ist die Datenmigration und Bereinigung. Wer erwartet, den bestehenden Artikelstamm einfach zu importieren, unterschätzt das regelmässig. Mehr dazu im Artikel zu den versteckten Kosten im E-Commerce.

PIM · SECHS PRÜFPUNKTE, DREI ERGEBNISSE Ausgabekanäle Sprachen Attributtiefe Varianten Beteiligte Personen Datenquellen Score 1 bis 2 komplex ERP aufräumen, kein PIM 3 bis 4 komplex Grenzfall, erst prüfen 5 bis 6 komplex PIM rechnet sich Nicht die Artikelzahl entscheidet, sondern die Komplexität der Produktdaten.

Pimcore oder Akeneo

Beide sind ernsthafte Optionen. Grob vereinfacht:

Akeneo ist ein fokussiertes PIM. Es macht eine Sache und macht sie gut. Wenn Sie ausschliesslich Produktdaten verwalten wollen, ist der Weg dorthin kürzer.

Pimcore ist breiter aufgestellt: PIM, DAM für Medien, Datenmodellierung und optional Content-Management in einem. Das lohnt sich, wenn Sie mehr als reine Produktdaten strukturieren wollen, etwa Kunden, Dokumente oder Assets.

Für Schweizer KMU mit mehreren Kanälen und starkem Bildbedarf setzen wir meist auf Pimcore, weil das DAM mitkommt. Details auf unserer Seite zu Pimcore.

Und jetzt ehrlich

Wir haben schon Kunden davon abgeraten. Ein PIM löst kein Datenproblem, es macht es sichtbar und verwaltbar. Wenn niemand Zeit hat, Produkttexte zu schreiben, ändert ein PIM daran nichts. Es zeigt nur präziser, was fehlt.

Der häufigste sinnvolle Zwischenschritt: Räumen Sie zuerst den Artikelstamm im ERP auf und legen Sie fest, wer welches Feld pflegt. Wenn danach immer noch drückt, sprechen wir über ein PIM. Diese Reihenfolge spart oft ein ganzes Projekt.

Fazit und nächster Schritt

Zusammengefasst: Ein PIM rechnet sich nicht ab einer Artikelzahl, sondern ab einer Komplexität. Entscheidend sind die Zahl der Ausgabekanäle, die Sprachen, die Attributtiefe, die Varianten, die Zahl der Beteiligten und die Herkunft der Daten. Wer bei fünf oder sechs dieser Punkte "komplex" antwortet, zahlt den Aufwand ohnehin schon. Wer bei ein oder zwei landet, räumt besser zuerst das ERP auf.

Wenn Sie prüfen wollen, wo Sie stehen, finden Sie hier unser Angebot für Pimcore und PIM.

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