CHF 30'000 für einen Onlineshop klingt nach viel Geld. Bis man nachrechnet, was alles dazugehört. Design, Entwicklung, ERP-Anbindung, Zahlungsanbieter, Tests, Go-Live und Schulung. Die Frage ist nicht, ob CHF 30'000 realistisch sind. Die Frage ist, ob das Angebot für CHF 12'000 wirklich dasselbe liefert.

Dieser Artikel zeigt, was ein professioneller Onlineshop für Schweizer KMU tatsächlich kostet. Aufgeschlüsselt nach Leistungen, mit konkreten Frankenbeträgen. Ohne Schönrechnerei.

Auf einen Blick

  • Standard-Onlineshop mit ERP-Anbindung und Schweizer Zahlungsanbietern: ab CHF 30'000, realistisch 3 bis 5 Monate bis zum Go-Live.
  • Grösste Kostentreiber: ERP-Schnittstelle, mehrsprachige Inhalte und individuelle Funktionen. Nicht das Design.
  • Nicht sparen bei: Sicherheit, Performance, Mobile und ERP-Anbindung. Wer hier kürzt, zahlt später doppelt.
  • Ehrlich: Nicht jedes Projekt braucht Magento. Wer 50 Produkte ohne ERP verkauft, ist mit einer einfacheren Lösung besser bedient.

Was CHF 30'000 konkret beinhaltet

Ein Onlineshop für CHF 30'000 ist kein Template mit Logo-Tausch. Es ist ein massgeschneidertes System, das in Ihre Geschäftsprozesse passt. Der Betrag verteilt sich auf sieben klar abgrenzbare Leistungsblöcke.

1. Konzept und Anforderungsanalyse: CHF 2'500 bis 4'000

Bevor eine Zeile Code geschrieben wird, steht die Planung. Welche Produkte verkaufen Sie? Wer sind Ihre Kunden? Welche Prozesse laufen im Hintergrund? Welches ERP nutzen Sie? Wie sieht Ihre Preisstruktur aus?

In dieser Phase definieren Agentur und Kunde gemeinsam den Funktionsumfang. Das Ergebnis ist ein Pflichtenheft mit Seitenstruktur, Funktionsliste, technischen Anforderungen und einem verbindlichen Zeitplan.

Wer diese Phase überspringt, spart CHF 3'000. Und verliert später CHF 15'000 durch Nacharbeiten.

2. Design und UX: CHF 4'000 bis 6'000

Ein professionelles Shopdesign umfasst mehr als eine hübsche Startseite. Dazu gehören: Produktlisten, Produktdetailseite, Warenkorb, Checkout, Kundenkonto, Suchseite und Fehlerseiten. Jede davon mobil und am Desktop.

Bei einem Standard-Onlineshop für CHF 30'000 arbeiten Sie typischerweise mit einem bewährten Theme-Framework. Individuell angepasst, aber nicht von Grund auf neu gezeichnet. Das spart CHF 10'000 bis 20'000 gegenüber einem Komplett-Design und ist für die meisten KMU die richtige Wahl.

Entscheidend ist die mobile Nutzererfahrung. Über 60 Prozent aller Einkäufe in der Schweiz starten auf dem Smartphone. Ein Shop, der mobil nicht funktioniert, verliert die Mehrheit seiner Besucher.

3. Entwicklung und Konfiguration: CHF 8'000 bis 12'000

Der grösste Einzelposten. Hier wird das Shopsystem installiert, konfiguriert und an Ihre Anforderungen angepasst. Das umfasst:

Je nachdem, wie stark das System individualisiert werden muss, kann dieser Posten deutlich steigen. Ein Standard-B2C-Shop bleibt im Rahmen. Ein B2B-Shop mit kundenspezifischen Preisen und Genehmigungsworkflows kostet mehr. Die genauen Unterschiede beschreibt der Artikel zu den Kosten eines B2B-Webshops in der Schweiz.

4. ERP-Anbindung: CHF 5'000 bis 10'000

Für die meisten Schweizer KMU ist die ERP-Anbindung der kritischste Teil des Projekts. Ohne sie tippen Sie Bestellungen von Hand ab. Mit einer guten Anbindung laufen Bestellungen, Lagerbestände, Kundendaten und Rechnungen automatisch zwischen Shop und ERP.

Die Kosten hängen davon ab, was synchronisiert wird und wie gut das ERP mit APIs umgehen kann. Eine einfache Produktsynchronisation mit Abacus oder myfactory liegt bei CHF 5'000 bis 7'000. Eine Echtzeit-Anbindung mit bidirektionalem Lagerbestand, Preisen und Auftragsstatus bei CHF 8'000 bis 15'000.

Der Entscheid, ob Sie die Schnittstelle selbst entwickeln oder eine fertige Lösung kaufen, verdient einen eigenen Blick. Die Abwägung zwischen Eigenentwicklung und Standardlösung haben wir im Detail im Artikel ERP-Schnittstelle: Make or Buy? aufgeschlüsselt.

5. Zahlungsanbieter und Schweizer Besonderheiten: CHF 2'000 bis 3'500

Schweizer Kunden erwarten TWINT, PostFinance, Kreditkarten und Rechnung. Das klingt selbstverständlich, ist es technisch aber nicht.

Die Integration eines Payment Service Providers wie Datatrans, Wallee oder Saferpay kostet je nach System CHF 1'500 bis 3'000. Dazu kommen die laufenden Transaktionsgebühren der einzelnen Zahlungsanbieter, die nicht zum Projektbudget gehören, aber in Ihre Kalkulation einfliessen müssen.

Rechnung auf Postfinance oder mit 30 Tagen Zahlungsziel ist in der Schweiz Standard. Die technische Umsetzung (Bonitätsprüfung, Mahnwesen, Anbindung an das ERP) braucht Aufwand.

Mehrwertsteuer: Die Schweiz hat eigene MWST-Sätze (8,1 und 2,6 Prozent), die sich von der EU unterscheiden. Wenn Sie auch in die EU liefern, brauchen Sie eine saubere Steuerzonenlogik. Das ist konfigurierbar, aber kein Selbstläufer.

ONLINESHOP · WAS CHF 30'000 ABDECKEN Konzept 3k Design 5k Entwicklung 10k ERP 5k Zahlung 2k Testing 3k Go-Live 2k Total: CHF 30'000 10% 17% 33% 17% 7% 10% 7% Sieben Posten, ein Budget — wer hier spart, zahlt spaeter doppelt.

6. Testing und Qualitätssicherung: CHF 2'500 bis 3'500

Ein Shop, der nach dem Go-Live Fehler zeigt, kostet Vertrauen. Und Geld. Professionelles Testing umfasst:

Wer beim Testing spart, liefert seinen Kunden den Betatest. Das ist kein guter erster Eindruck.

7. Go-Live, Schulung und Dokumentation: CHF 2'000 bis 3'000

Der Go-Live ist kein Knopfdruck. DNS-Umstellung, SSL-Zertifikat, finale Datenmigration, Monitoring-Setup und ein Plan für die ersten 48 Stunden gehören dazu.

Dazu kommt die Schulung Ihres Teams. Ihre Mitarbeitenden müssen Produkte pflegen, Bestellungen bearbeiten und Inhalte aktualisieren können. Ohne Schulung rufen sie bei jeder Kleinigkeit die Agentur an, zu CHF 180 pro Stunde.

Eine gute Schulung dauert einen halben bis ganzen Tag und wird mit einer schriftlichen Dokumentation ergänzt. Das zahlt sich innerhalb weniger Wochen zurück.

Die drei realistischen Preisstufen

CHF 30'000 ist ein guter Ausgangspunkt. Aber nicht jedes Projekt passt in diesen Rahmen. Hier die drei typischen Preisstufen, die wir bei Schweizer KMU sehen.

Standard B2C-Shop: CHF 25'000 bis 40'000

Für ein KMU mit 200 bis 2'000 Produkten, einer Sprache, Standard-Zahlungsanbietern und einer einfachen ERP-Anbindung. Das Theme basiert auf einem bewährten Framework. Individuell angepasst, aber nicht von Null entwickelt. Zeitrahmen: 3 bis 4 Monate.

Das reicht für den Einstieg in den Onlinehandel. Und es lässt sich später ausbauen, wenn das Geschäft wächst.

Komplexer B2B-Shop: CHF 50'000 bis 80'000

Sobald kundenspezifische Preise, Genehmigungsworkflows, Schnellbestellungen oder mehrere Lager ins Spiel kommen, steigt der Aufwand deutlich. Ein B2B-Shop mit Anbindung an Abacus oder SAP Business One und zwei Sprachen liegt in diesem Bereich. Zeitrahmen: 4 bis 6 Monate.

Die Komplexität steckt nicht im Frontend, sondern in der Geschäftslogik. Kundengruppen mit unterschiedlichen Rabatten, Staffelpreise, Mindestbestellmengen und individuelle Sortimente brauchen saubere Datenmodelle und gründliches Testing.

Enterprise und Multi-Shop: CHF 100'000 und mehr

Mehrere Marken, mehrere Sprachen, mehrere ERPs, internationale Steuerlogik, PIM-System, eigene Schnittstellen. Projekte dieser Grössenordnung laufen 6 bis 12 Monate und binden ein Team von 4 bis 8 Personen.

In diesem Segment geht es nicht mehr um die Frage «Shopify oder Magento». Hier brauchen Sie ein System, das sich an Ihre Prozesse anpasst, nicht umgekehrt.

Was kostet extra und wird gerne vergessen

Die Offerte für CHF 30'000 ist das Projektbudget. Daneben gibt es laufende Kosten und optionale Extras, die viele KMU erst nach dem Go-Live bemerken. Die häufigsten:

Die vollständige Aufstellung dieser Posten finden Sie im Artikel über versteckte Webshop-Kosten. Lesen Sie ihn, bevor Sie eine Offerte unterschreiben.

Woran Sie ein seriöses Angebot erkennen

Ein professionelles Angebot listet jeden Posten einzeln auf. Es nennt konkrete Leistungen, nicht nur «Shopentwicklung pauschal». Es benennt, was enthalten ist und was nicht. Und es enthält eine Angabe zum Zeitrahmen.

Achten Sie auf folgende Punkte:

Warnsignale bei günstigen Angeboten

Wenn ein Anbieter denselben Funktionsumfang für CHF 8'000 statt CHF 30'000 anbietet, fehlt etwas. Die Frage ist nur, was.

Typische Kostenfallen

Bei der Wahl der richtigen Agentur helfen Ihnen die sieben Auswahlkriterien für Schweizer Magento-Agenturen.

Worauf Sie nicht verzichten dürfen

Es gibt Posten, bei denen Sparen garantiert teurer wird. Diese vier gehören in jedes seriöse Angebot.

Sicherheit

Ein Onlineshop verarbeitet Kundendaten, Zahlungsdaten und Geschäftsinformationen. Sicherheitslücken kosten nicht nur Geld, sondern Vertrauen. SSL-Zertifikat, regelmässige Updates, sichere Admin-Zugänge und eine Web Application Firewall sind Pflicht. Nicht optional.

Performance

Jede Sekunde Ladezeit kostet Umsatz. Google bestätigt das seit Jahren. Ein Shop, der auf dem Desktop in 1,5 Sekunden lädt und auf dem Smartphone in 3 Sekunden, ist das Minimum. Dafür braucht es gutes Hosting, optimierte Bilder, Caching und sauberen Code.

Mobile Optimierung

Nicht «responsive», sondern «mobile first». Der Shop muss auf dem Smartphone genauso gut funktionieren wie am Desktop. Das betrifft Navigation, Suche, Produktbilder, Checkout und Formulare. Ein Checkout, der auf dem iPhone nicht funktioniert, ist ein verlorener Kunde.

Datenhosting in der Schweiz

Für viele Schweizer KMU ist es wichtig, dass Kundendaten in der Schweiz gehostet werden. Das ist kein technisches Problem, die grossen Hosting-Anbieter haben Rechenzentren in Zürich oder Bern. Aber es muss von Anfang an berücksichtigt werden, nicht erst nach dem Go-Live.

Der typische Zeitplan: 3 bis 5 Monate

Ein Onlineshop-Projekt für CHF 30'000 läuft typischerweise 3 bis 5 Monate. Kürzer ist möglich, aber selten sinnvoll. Länger wird es, wenn die Anforderungen während des Projekts wachsen.

Monat 1: Konzept und Design

Workshops, Anforderungsanalyse, Pflichtenheft, Designentwürfe. Am Ende dieses Monats wissen alle Beteiligten, was gebaut wird. Und was nicht.

Monat 2 und 3: Entwicklung und ERP-Anbindung

Das Shopsystem wird aufgesetzt, konfiguriert und mit dem ERP verbunden. Parallel laufen Produktdaten-Import und Content-Erstellung. Regelmässige Zwischen-Reviews verhindern, dass sich Missverständnisse aufstauen.

Monat 4: Testing und Feinschliff

Funktions-, Last- und Sicherheitstests. Korrekturen. Abnahme durch den Kunden. Schulung des Teams. Vorbereitung des Go-Live.

Monat 5: Go-Live und Stabilisierung

DNS-Umstellung, Monitoring, erste echte Bestellungen begleiten. In den ersten zwei Wochen nach dem Go-Live sollte die Agentur erreichbar sein, täglich.

Der häufigste Fehler: zu wenig Zeit für Testing und Go-Live einplanen. Die Entwicklung läuft oft planmässig. Aber die letzten 20 Prozent brauchen 40 Prozent der Zeit.

Schweizer Besonderheiten, die ins Budget gehören

Ein Onlineshop für Schweizer KMU unterscheidet sich in mehreren Punkten von einem deutschen oder österreichischen Projekt.

Nicht jedes Projekt braucht Magento

Wir sind eine Magento-Agentur. Und trotzdem sagen wir: Magento ist nicht immer die richtige Wahl.

Wenn Sie 50 Produkte ohne ERP-Anbindung verkaufen, ist Magento zu viel System. Shopify, WooCommerce oder eine spezialisierte Branchenlösung sind dann günstiger und schneller. CHF 5'000 bis 15'000 statt CHF 30'000.

Magento lohnt sich, wenn mindestens eines davon zutrifft: Sie haben mehr als 500 Produkte. Sie brauchen eine ERP-Anbindung. Sie verkaufen B2B und B2C gleichzeitig. Sie brauchen mehrere Sprachen und Währungen. Oder Sie erwarten Wachstum, das ein einfaches System nicht abfangen kann.

Eine ehrliche Erstberatung klärt das in 30 Minuten. Das ist kein verlorener Auftrag, sondern ein zufriedener Kunde, der später wiederkommt. Einen systematischen Vergleich bietet der Artikel Magento vs Shopware.

Was Sie vor der Offertanfrage klären sollten

Je besser Sie vorbereitet sind, desto genauer wird die Offerte. Diese sechs Fragen sollten Sie beantworten können:

  1. Wie viele Produkte? 100, 1'000 oder 10'000? Das beeinflusst Import, Suche und Performance.
  2. Welches ERP? Abacus, SAP, myfactory, Dynamics, keins? Die Anbindung bestimmt einen grossen Teil des Budgets.
  3. B2C, B2B oder beides? B2B-Funktionen wie kundenspezifische Preise oder Budgetlimiten kosten zusätzlich.
  4. Wie viele Sprachen? Jede Sprache erhöht den Aufwand bei Entwicklung und laufender Pflege.
  5. Welche Zahlungsarten? TWINT, PostFinance, Kreditkarte, Rechnung? Alles machbar, aber jede zusätzliche Methode braucht Integration und Testing.
  6. Was ist Ihr Zeitrahmen? Realistisch sind 3 bis 5 Monate. Weniger geht, kostet aber mehr, weil paralleler Aufwand steigt.

Fazit: CHF 30'000 sind ein fairer Preis

Zusammengefasst: Ein professioneller Onlineshop für ein Schweizer KMU kostet ab CHF 30'000. Dafür bekommen Sie Konzept, Design, Entwicklung, ERP-Anbindung, Schweizer Zahlungsanbieter, Testing, Go-Live und Schulung. Alles, was ein Shop braucht, um vom ersten Tag an zu funktionieren.

Wer deutlich weniger zahlt, bekommt weniger. Nicht immer sichtbar am Anfang, aber spürbar im Betrieb. Wer deutlich mehr investiert, baut einen Shop, der komplexe B2B-Prozesse abbildet und mit dem Unternehmen wächst.

Die konkrete Aufschlüsselung für Ihr Projekt klären wir gern in einem persönlichen Gespräch. Unser Leistungsangebot zeigt, wie wir arbeiten. Oder Sie nutzen direkt den Kontakt für ein unverbindliches Erstgespräch mit konkreten Zahlen.