Die Antwort entscheidet über die Kosten der nächsten fünf Jahre, nicht nur über die des Projekts. Dieser Artikel gibt Ihnen die Kriterien an die Hand, mit denen wir diese Entscheidung in Projekten treffen.
Auf einen Blick
- Buy heisst Standard-Connector: schnell, günstig im Einstieg, aber im vorgegebenen Rahmen.
- Make heisst Eigenentwicklung: passt genau, kostet mehr und muss dauerhaft gepflegt werden.
- Der dritte Weg ist eine Middleware, die beides kombiniert und mehrere Systeme entkoppelt.
- Faustregel: So viel Standard wie möglich. Eigenentwicklung nur dort, wo der Standard nachweislich nicht reicht.
Warum die Frage überhaupt gestellt wird
Eine ERP-Schnittstelle ist kein einmaliges Bauwerk. Sie ist ein Stück Software, das läuft, solange beide Systeme laufen. Beide bekommen Updates, beide ändern ihre Datenstruktur, beide haben mal einen schlechten Tag.
Wer nur den Anschaffungspreis vergleicht, vergleicht die falsche Zahl. Die richtige Frage lautet: Was kostet diese Schnittstelle über fünf Jahre, inklusive Pflege, Fehlerbehebung und Anpassungen?
Die drei Wege
In der Praxis gibt es nicht zwei, sondern drei Optionen. Der mittlere Weg wird am häufigsten übersehen.
Weg 1: Standard-Connector kaufen
Viele ERP-Hersteller und Drittanbieter liefern fertige Connectoren. Abacus, myfactory, Comatic und andere haben Module oder Partnerlösungen für die gängigen Shopsysteme.
Dafür spricht: Der Einstieg ist günstig und schnell. Der Anbieter pflegt die Kompatibilität nach Updates. Sie kaufen Erfahrung aus vielen Installationen mit.
Dagegen spricht: Sie bekommen, was vorgesehen ist. Wenn Ihre Preislogik, Ihre Einheiten oder Ihr Bestellprozess vom Standard abweichen, stossen Sie an eine Wand. Und Sie sind an den Release-Zyklus des Anbieters gebunden.
Passt, wenn: Ihre Prozesse nah am Standard sind, Sie ein Shopsystem nutzen, das der Connector offiziell unterstützt, und Sie schnell live wollen.
Weg 2: Schnittstelle selbst bauen
Eine massgeschneiderte Anbindung, meist über die API des ERP. Sie legen fest, welche Felder in welche Richtung fliessen, wie Fehler behandelt werden und wie oft synchronisiert wird.
Dafür spricht: Sie bilden genau Ihre Prozesse ab, auch die schrägen. Sie sind unabhängig von einem Connector-Anbieter. Und Sie können erweitern, wenn ein weiteres System dazukommt.
Dagegen spricht: höhere Initialkosten und eine dauerhafte Verantwortung. Nach jedem grösseren ERP- oder Shop-Update muss jemand prüfen, ob noch alles funktioniert. Wer das nicht einplant, hat in zwei Jahren eine Schnittstelle, die niemand mehr anfassen will.
Passt, wenn: Ihre Preis- oder Artikelogik individuell ist, Sie kundenindividuelle Konditionen in Echtzeit brauchen oder es für Ihre Kombination schlicht keinen Standard gibt.
Weg 3: Middleware dazwischen
Eine Zwischenschicht, die mit beiden Systemen spricht. Sie übersetzt Datenformate, puffert Ausfälle ab, protokolliert jeden Vorgang und kann weitere Systeme anschliessen.
Dafür spricht: ERP und Shop kennen sich nicht direkt. Fällt eines aus, gehen keine Daten verloren. Fehler sind nachvollziehbar, weil alles an einer Stelle protokolliert wird. Ein dritter Kanal, etwa eine Kasse oder ein Marktplatz, lässt sich später anhängen, ohne alles neu zu bauen.
Dagegen spricht: ein zusätzliches System, das betrieben und bezahlt werden will. Für eine einzige, einfache Verbindung ist das übertrieben.
Passt, wenn: mehr als zwei Systeme im Spiel sind, hohe Bestellvolumen laufen oder Nachvollziehbarkeit wichtig ist.
Sechs Fragen, die die Entscheidung treffen
Wir gehen diese Liste in jedem Projekt durch. Wenn Sie mehr als drei Fragen mit "individuell" beantworten, ist der reine Standard-Connector meist die falsche Wahl.
- Wie individuell ist Ihre Preislogik? Kundengruppen sind Standard. Vertragspreise pro Kunde und Artikel sind es nicht.
- Wie viele Systeme hängen dran? Nur Shop und ERP, oder auch PIM, Kasse, Marktplatz und Versanddienstleister?
- Wie aktuell müssen Daten sein? Nächtlicher Abgleich oder Bestand in Echtzeit? Dazu passt der Artikel zu Echtzeit-Sync und Batch.
- Wie stabil ist Ihr ERP-Setup? Ein stark angepasstes ERP macht jeden Standard-Connector unberechenbar.
- Wer pflegt das in drei Jahren? Haben Sie jemanden intern, oder braucht es einen Partner mit Verantwortung?
- Was kostet ein Ausfall? Bei 20 Bestellungen pro Tag ist ein halber Tag Stillstand ärgerlich. Bei 2'000 ist er teuer.
Die Kostenrechnung, die zählt
Rechnen Sie nicht in Projektkosten, sondern über fünf Jahre. Vier Posten gehören dazu, und der letzte wird fast immer vergessen.
- Aufbau: Lizenz oder Entwicklung, plus Konzeption und Test.
- Laufende Gebühren: Connector-Lizenz oder Middleware-Abo, jährlich.
- Pflege: Kompatibilität nach Updates auf beiden Seiten. Diesen Posten hat kein Angebot drin, aber jedes Projekt.
- Erweiterung: Was kostet es, in zwei Jahren ein weiteres Feld oder ein weiteres System anzubinden?
Beim Standard-Connector sind Posten eins und drei niedrig, dafür Posten zwei dauerhaft und Posten vier oft unmöglich. Bei der Eigenentwicklung ist Posten eins hoch, Posten zwei entfällt, und Posten drei liegt bei Ihnen. Wer nur auf Posten eins schaut, trifft die Entscheidung auf falscher Grundlage. Mehr dazu im Artikel zu den versteckten Kosten im E-Commerce.
Und jetzt ehrlich
Wir bauen Schnittstellen, das ist unser Geschäft. Trotzdem raten wir regelmässig zum Standard-Connector. Wenn ein Kunde mit Abacus saubere Prozesse hat und der Standard 90 Prozent abdeckt, gibt es keinen Grund, etwas Eigenes zu bauen.
Umgekehrt gilt: Wer den Standard mit zwanzig Anpassungen dazu zwingt, das Individuelle abzubilden, hat am Ende eine Eigenentwicklung, die er nicht kontrolliert. Das ist der teuerste aller Wege. Wenn Sie merken, dass Sie gegen den Connector arbeiten statt mit ihm, ist es Zeit für die andere Entscheidung.
Fazit und nächster Schritt
Zusammengefasst: Standard-Connector, Eigenentwicklung oder Middleware, alle drei Wege sind legitim. Die Entscheidung fällt an sechs Fragen, allen voran der Individualität Ihrer Preislogik und der Zahl der beteiligten Systeme. Rechnen Sie über fünf Jahre, nicht über das Projekt, und planen Sie die Pflege von Anfang an ein.
Wenn Sie wissen wollen, welcher Weg zu Ihrem ERP passt, finden Sie hier unser Vorgehen für ERP-Schnittstellen.
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Häufige Fragen zur B2B-Webshop Verpackungsindustrie
Was ist günstiger, ein Standard-Connector oder eine eigene Schnittstelle?
Im Einstieg fast immer der Connector. Über fünf Jahre kann sich das drehen, weil Lizenzgebühren laufen und Anpassungen am Standard teuer werden. Rechnen Sie beide Wege über den gleichen Zeitraum.
Woran erkenne ich, dass ein Standard-Connector nicht reicht?
Wenn Ihre Preislogik pro Einzelkunde gilt, wenn mehr als zwei Systeme angebunden werden sollen oder wenn Sie den Connector mit vielen Anpassungen biegen müssen. Dann arbeiten Sie gegen den Standard statt mit ihm.
Brauche ich zwingend eine Middleware?
Nein. Für eine einzelne Verbindung zwischen ERP und Shop ist sie meist überflüssig. Sinnvoll wird sie ab drei Systemen, bei hohen Volumen oder wenn jeder Vorgang nachvollziehbar sein muss.
Wer pflegt die Schnittstelle nach dem Go-live?
Das muss vor dem Projekt geklärt sein. Beim Connector der Anbieter, bei einer Eigenentwicklung Sie oder Ihre Agentur. Ohne feste Zuständigkeit verwaist die Schnittstelle nach dem ersten grösseren Update.
Wie lange dauert eine ERP-Anbindung?
Ein Standard-Connector ist in wenigen Wochen produktiv, wenn die Daten stimmen. Eine individuelle Anbindung braucht länger, weil Konzeption und Tests dazukommen. Der grösste Zeitfresser ist fast immer die Datenaufbereitung, nicht der Code.
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