Dieser Artikel rechnet beide Modelle ehrlich durch. Mit konkreten CHF-Beträgen, für ein typisches Schweizer KMU mit rund 50 Mitarbeitenden und 500 Bestellungen pro Monat. Am Ende wissen Sie, welches Modell für Ihre Situation günstiger ist und warum die Antwort nicht immer dieselbe ist.
Auf einen Blick
- SaaS-Modell (Shopify Plus, BigCommerce): tiefe Einstiegskosten, planbare Monatsgebühr, aber steigende Kosten bei Wachstum durch Transaktionsgebühren und App-Abos.
- Self-Hosted (Magento Open Source): keine Lizenzkosten, volle Kontrolle, aber Investitionen in Hosting, Sicherheit, Wartung und Entwicklung.
- 5-Jahres-Vergleich: SaaS kostet CHF 290'000 bis 420'000. Self-Hosted kostet CHF 240'000 bis 380'000. Der Unterschied liegt im Detail.
- Entscheidend sind nicht die Lizenzkosten, sondern Ihre Anforderungen an Integration, Kontrolle und Skalierung.
Was TCO bedeutet und warum Listenpreise täuschen
Total Cost of Ownership umfasst alle Kosten über die gesamte Nutzungsdauer. Nicht nur die Lizenz oder das Abo, sondern auch Hosting, Entwicklung, Wartung, Transaktionsgebühren, Schulungen und den internen Aufwand Ihres Teams.
Bei SaaS sehen Sie eine monatliche Rechnung und denken, das sei alles. Bei Self-Hosted sehen Sie keine Lizenzgebühr und denken, es sei kostenlos. Beides führt zu Fehlentscheidungen. In über dreissig Projekten haben wir gesehen: Die wahren Kosten liegen bei beiden Modellen woanders, als die meisten erwarten.
Die Kostenblöcke im Detail
1. Lizenz und Abonnement
Bei Shopify Plus zahlen Sie ab USD 2'300 pro Monat, bei höherem Umsatz steigt die Gebühr auf bis zu 0,25 Prozent des Monatsumsatzes. BigCommerce Enterprise beginnt bei rund USD 1'000. Adobe Commerce (die kommerzielle Magento-Version) startet bei USD 22'000 pro Jahr, skaliert aber ebenfalls nach Umsatz. Die Unterschiede zwischen Adobe Commerce und Magento Open Source haben wir im Artikel Adobe Commerce vs Magento Open Source aufgeschlüsselt.
Magento Open Source: null Franken Lizenz. Punkt. Aber dieser Vorteil ist kleiner als er klingt, weil die folgenden Posten ihn teilweise auffressen.
2. Hosting und Infrastruktur
Bei SaaS ist Hosting inklusive. Server, CDN, SSL, Backups, Skalierung bei Lastspitzen. Das ist ein echter Wert, den viele bei der Kalkulation vergessen.
Bei Self-Hosted brauchen Sie einen Hoster. Für einen Magento-Shop mit gutem Traffic rechnen Sie mit CHF 200 bis 600 pro Monat für Managed Hosting in der Schweiz. Dazu kommen CDN-Kosten, SSL-Zertifikate und ein Staging-System. Über fünf Jahre sind das CHF 12'000 bis 36'000, nur für die Infrastruktur.
3. Entwicklung und Aufbau
Das initiale Setup unterscheidet sich stark. Ein Shopify-Plus-Shop lässt sich in 4 bis 8 Wochen aufsetzen, wenn die Anforderungen in den Standard passen. Rechnen Sie mit CHF 15'000 bis 40'000 für Design, Konfiguration und Grundintegrationen.
Ein Magento-Shop braucht 3 bis 6 Monate. Die initiale Investition liegt bei CHF 40'000 bis 90'000, je nach Komplexität der ERP-Anbindung und der B2B-Logik. Der Aufbau kostet mehr, aber Sie bekommen eine Architektur, die Ihnen gehört.
4. Transaktionsgebühren
Hier wird es für SaaS teuer, und zwar schleichend. Shopify erhebt 0,15 bis 0,30 Prozent pro Transaktion, zusätzlich zu den Gebühren Ihres Zahlungsanbieters. Bei einem Monatsumsatz von CHF 200'000 sind das CHF 300 bis 600 pro Monat. Über fünf Jahre summiert sich das auf CHF 18'000 bis 36'000.
Bei Self-Hosted zahlen Sie nur die Gebühren Ihres Payment-Providers. Keine Plattformgebühr obendrauf. Bei steigendem Umsatz wächst dieser Vorteil linear mit.
5. Apps, Erweiterungen und Individualentwicklung
SaaS-Shops leben von Apps. Ein typischer Shopify-Plus-Shop nutzt 8 bis 15 kostenpflichtige Apps. Pro App zahlen Sie CHF 20 bis 300 pro Monat. In der Summe sind das schnell CHF 500 bis 2'000 monatlich, also CHF 30'000 bis 120'000 über fünf Jahre. Die versteckten Kosten im E-Commerce sind genau diese Posten, die in keiner Erstofferte stehen.
Bei Magento sind Erweiterungen günstiger, viele kosten einmalig CHF 200 bis 800. Dafür brauchen Sie Entwickler, die sie installieren, konfigurieren und bei Updates kompatibel halten. Das ist Arbeitszeit, keine Abogebühr.
6. Wartung, Updates und Sicherheit
SaaS erledigt das für Sie. Updates laufen automatisch, Sicherheitspatches kommen ohne Ihr Zutun. Das ist bequem, hat aber eine Kehrseite: Sie haben keinen Einfluss auf den Zeitpunkt und müssen mit Breaking Changes leben.
Bei Magento sind Sie verantwortlich. Sicherheitspatches erscheinen vierteljährlich. Ein Wartungsvertrag mit einer Agentur kostet CHF 500 bis 1'500 pro Monat, je nach Umfang. Über fünf Jahre sind das CHF 30'000 bis 90'000. Ohne diesen Posten zu planen, riskieren Sie Sicherheitslücken und technische Schulden.
Beispielrechnung: Typisches Schweizer KMU
Ausgangslage: 50 Mitarbeitende, 500 Bestellungen pro Monat, CHF 200'000 Monatsumsatz, ERP-Anbindung (Abacus oder SAP Business One), B2B- und B2C-Kunden, 2'000 Produkte mit Varianten.
SaaS-Modell: Shopify Plus
- Abo: CHF 2'200/Monat = CHF 132'000 über 5 Jahre
- Transaktionsgebühren: ca. CHF 400/Monat = CHF 24'000
- Apps (12 Stück): ca. CHF 800/Monat = CHF 48'000
- Initiales Setup: CHF 30'000
- Anpassungen und Weiterentwicklung: CHF 3'000/Monat = CHF 180'000
- Hosting: inklusive
Total über 5 Jahre: ca. CHF 414'000
Self-Hosted: Magento Open Source
- Lizenz: CHF 0
- Hosting (Managed, Schweiz): CHF 400/Monat = CHF 24'000
- Initiales Setup und Entwicklung: CHF 75'000
- Wartung und Sicherheit: CHF 1'000/Monat = CHF 60'000
- Weiterentwicklung: CHF 2'500/Monat = CHF 150'000
- Erweiterungen (einmalig): CHF 5'000
Total über 5 Jahre: ca. CHF 314'000
Die Differenz von rund CHF 100'000 über fünf Jahre ist real, aber sie kommt nicht von der Lizenz allein. Sie entsteht durch Transaktionsgebühren, App-Abos und die Tatsache, dass Anpassungen in Shopify oft teurer sind als in einem System, das für Individualentwicklung gebaut wurde.
Die versteckten Kosten auf SaaS-Seite
Drei Posten, die in keiner Shopify-Offerte stehen:
Steigende Transaktionsgebühren. Bei Verdoppelung des Umsatzes verdoppeln sich auch die Plattformgebühren. Bei Self-Hosted bleiben die Hosting-Kosten nahezu gleich.
Theme-Grenzen. Shopifys Liquid-Templates sind flexibel, aber nicht unbegrenzt. Sobald Sie eine Checkout-Logik brauchen, die über das Standardverhalten hinausgeht, stossen Sie an Grenzen. Checkout-Anpassungen sind bei Shopify Plus möglich, aber aufwändig und bei jedem Update fragil.
Vendor Lock-in. Ihre Daten gehören Ihnen, aber die Geschäftslogik steckt in der Plattform und in den Apps. Eine spätere Migration wird mit jedem Jahr teurer, weil die Abhängigkeiten wachsen. Was das konkret bedeutet, zeigt unser Artikel zu den Migrationskosten von Shopify zu Magento.
Die versteckten Kosten auf Self-Hosted-Seite
Drei Posten, die in keiner Magento-Offerte stehen:
Personalabhängigkeit. Sie brauchen jemanden, der das System versteht. Ob intern oder eine Agentur: Ohne kompetenten Betrieb steht der Shop bei Problemen still. Gute Magento-Entwickler sind in der Schweiz rar. Planen Sie den Agenturvertrag von Anfang an ein, nicht erst nach dem Go-Live.
Update-Aufwand. Magento-Updates sind keine Automatismen. Sie müssen getestet werden, Erweiterungen müssen kompatibel sein, und manchmal brechen Dinge. Ein Major-Upgrade (zum Beispiel von 2.4.6 auf 2.4.7) kann leicht zwei bis vier Wochen Entwicklungszeit binden.
Opportunitätskosten. Die höhere initiale Investition bindet Budget, das Sie anderswo einsetzen könnten. Wenn Ihr Shop in sechs Monaten stehen muss und heute kein Budget für CHF 75'000 da ist, ist SaaS die bessere Wahl, selbst wenn Self-Hosted langfristig günstiger wäre.
Wann SaaS die richtige Wahl ist
SaaS gewinnt in diesen Szenarien:
- Schneller Start: Sie wollen in 6 bis 8 Wochen live sein. Kein Self-Hosted-System schafft das bei vergleichbarem Funktionsumfang.
- Überschaubarer Katalog: Unter 500 Produkte, wenige Varianten, keine komplexe Preislogik.
- Reiner B2C-Shop: Standardprozesse, keine Unternehmenskonten, keine mehrstufigen Freigaben.
- Kein internes IT-Team: Wenn niemand da ist, der ein System betreiben kann, ist Managed SaaS der sicherere Weg.
- Budget unter CHF 30'000: Für die initiale Entwicklung reicht das bei Self-Hosted selten.
Wann Self-Hosted die richtige Wahl ist
Self-Hosted gewinnt in diesen Szenarien:
- B2B-Komplexität: Kundenspezifische Preise, Staffelrabatte, Angebots-Workflows, Punchout. SaaS-Plattformen können das teilweise, aber jede Abweichung vom Standard wird teuer. Einen umfassenden Überblick der B2B-Webshop-Kosten in der Schweiz haben wir separat aufbereitet.
- ERP-Integration: Wenn Ihr ERP die Wahrheit für Preise, Lager und Kunden führt, brauchen Sie eine tiefe Anbindung. Bei SaaS geht das über Middleware und APIs, bei Self-Hosted können Sie direkt ins System greifen.
- Datenhoheit und Datenschutz: Ihre Daten liegen auf Ihrem Server, in der Schweiz, unter Ihrer Kontrolle. Für regulierte Branchen oder Unternehmen mit strengen Compliance-Vorgaben ist das oft ein K.O.-Kriterium.
- Langfristige Kostenplanung: Ab einem Monatsumsatz von CHF 150'000 übersteigen die SaaS-Gebühren die Self-Hosted-Betriebskosten. Je mehr Sie wachsen, desto grösser wird der Vorteil.
- Volle Kontrolle: Sie bestimmen, wann Updates kommen, wie der Checkout funktioniert und welche Daten wo gespeichert werden. Kein Plattformbetreiber kann Ihnen Features wegnehmen oder Konditionen ändern.
Was DevQon ehrlich dazu sagt
Wir bauen Self-Hosted-Shops auf Magento. Das ist unser Kerngeschäft. Trotzdem sagen wir in Erstgesprächen regelmässig: Bleiben Sie bei Shopify.
Wir tun das, wenn der Kunde keine funktionale Grenze hat, die den Wechsel rechtfertigt. Ein Wechsel nur wegen der Lizenzkosten rechnet sich frühestens nach drei Jahren und bindet in der Zwischenzeit Ressourcen, die anderswo mehr bringen.
Umgekehrt sehen wir Unternehmen, die seit Jahren gegen die Grenzen ihrer SaaS-Plattform kämpfen. Die mit Workarounds arbeiten, drei Apps für etwas bezahlen, das eine einzige Erweiterung lösen würde, und deren Team jeden Monat Stunden mit manuellen Prozessen verliert. Für diese Unternehmen ist der Wechsel keine Kostenfrage, sondern eine Investition in Effizienz.
Die ehrliche Antwort ist also: Es kommt darauf an. Und genau das ist der Grund, warum eine pauschale Empfehlung nie stimmt.
Drei Fragen, die Sie sich stellen sollten
Bevor Sie rechnen, beantworten Sie diese drei Fragen:
1. Wo stossen Sie heute an Grenzen? Wenn Sie keine konkreten Grenzen benennen können, brauchen Sie keinen Wechsel. Wenn Sie drei oder mehr nennen können, lohnt sich ein genauer Blick.
2. Wie hoch ist Ihr Monatsumsatz, und wohin geht er? Unter CHF 100'000 Monatsumsatz ist SaaS fast immer günstiger. Über CHF 200'000 dreht sich das Bild. Dazwischen hängt es von den Anforderungen ab.
3. Haben Sie jemanden für den Betrieb? Self-Hosted ohne kompetenten Betrieb ist wie ein Auto ohne Werkstatt. Es funktioniert, bis etwas kaputt geht. Und bei einem Webshop geht immer etwas kaputt.
Fazit und nächster Schritt
Zusammengefasst: SaaS und Self-Hosted kosten über fünf Jahre ähnlich viel, zwischen CHF 250'000 und 420'000 für einen Schweizer KMU-Shop mit ERP-Anbindung. Der Unterschied liegt nicht im Preis, sondern in der Struktur der Kosten. SaaS ist planbar, aber wird bei Wachstum teurer. Self-Hosted braucht mehr Vorlauf, gibt Ihnen aber Kontrolle und Unabhängigkeit. Entscheiden Sie nicht nach Lizenzpreisen. Entscheiden Sie nach Ihren Anforderungen in drei Jahren.
Wenn Sie prüfen wollen, ob ein Wechsel von SaaS zu Self-Hosted für Ihre Situation Sinn ergibt, finden Sie hier unser Vorgehen zur SaaS-Ablösung.
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Häufige Fragen zur SaaS vs Self-Hosted
Was kostet ein SaaS-Webshop wie Shopify Plus über fünf Jahre?
Für ein Schweizer KMU mit CHF 200’000 Monatsumsatz rechnen Sie mit CHF 290’000 bis 420’000. Darin enthalten sind Abo, Transaktionsgebühren, Apps, Setup und laufende Anpassungen. Hosting ist bei SaaS inklusive.
Was kostet ein Self-Hosted-Shop wie Magento über fünf Jahre?
Für dasselbe KMU rechnen Sie mit CHF 240’000 bis 380’000. Die Lizenz ist kostenlos, dafür fallen Hosting, Wartung, Sicherheitsupdates und ein höherer initialer Entwicklungsaufwand an.
Wann ist SaaS günstiger als Self-Hosted?
Bei einem Monatsumsatz unter CHF 100’000, einem überschaubaren Katalog und wenigen Individualanforderungen. Auch wenn kein internes IT-Team vorhanden ist, spart SaaS Betriebsaufwand.
Wann lohnt sich Self-Hosted gegenüber SaaS?
Ab einem Monatsumsatz von CHF 150’000 und bei komplexen B2B-Anforderungen wie kundenspezifischen Preisen, ERP Tiefenintegration oder Schweizer Datenresidenz. Je mehr Individuallogik, desto stärker der Vorteil.
Welche versteckten Kosten hat SaaS?
Transaktionsgebühren, die mit dem Umsatz wachsen, monatliche App-Abos für Funktionen ausserhalb des Standards und steigende Migrationskosten durch Vendor Lock-in. Diese Posten stehen selten in der Erstofferte.
Welche versteckten Kosten hat Self-Hosted?
Update-Aufwand bei Major-Versionen, Abhängigkeit von spezialisierten Entwicklern, höhere Initialinvestition und die Verantwortung für Sicherheit und Verfügbarkeit, die bei SaaS der Plattformbetreiber trägt.
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