Wenn Shop und ERP zusammenarbeiten, stellt sich früh eine technische Grundfrage: Soll der Abgleich in Echtzeit passieren oder in geplanten Stapeln, also im Batch? Viele glauben, Echtzeit sei immer besser. Das stimmt nicht. Beide Wege haben ihren Platz, und die richtige Antwort ist meist eine Mischung.

Dieser Artikel erklärt den Unterschied, zeigt die Stärken und Grenzen beider Ansätze und gibt eine klare Empfehlung, welche Daten welchen Weg brauchen.

Auf einen Blick

  • Echtzeit-Sync überträgt Änderungen sofort. Ideal für zeitkritische Daten wie Lagerbestände und Bestellungen.
  • Batch-Sync überträgt gebündelt in Intervallen. Robust und günstig für Stammdaten und grosse Mengen.
  • Echtzeit ist nicht automatisch besser. Alles in Echtzeit zu wollen ist teuer und fehleranfällig.
  • Die Praxis-Antwort ist fast immer ein Mix: Echtzeit für das Kritische, Batch für den Rest.

Was Echtzeit-Sync bedeutet

Beim Echtzeit-Sync wird eine Änderung sofort übertragen. Ändert sich im ERP ein Lagerbestand, meldet das System die Änderung umgehend an den Shop, oft über einen Webhook oder einen direkten API-Aufruf. Der Shop ist damit praktisch immer auf dem aktuellen Stand.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Daten sind frisch. Der Nachteil wird oft unterschätzt: Echtzeit erzeugt viele einzelne Aufrufe, ist anspruchsvoller in der Fehlerbehandlung und stösst bei grossen Mengen schneller an API-Grenzen.

Was Batch-Sync bedeutet

Beim Batch-Sync werden Änderungen gesammelt und in geplanten Intervallen gebündelt übertragen, etwa stündlich oder über Nacht. Statt tausend einzelner Aufrufe gibt es einen geordneten Lauf.

Der Vorteil: Batch ist robust, günstig und einfach zu überwachen. Ein Lauf, ein Ergebnis, klare Fehlersuche. Der Nachteil: Zwischen zwei Läufen sind die Daten nicht aktuell. Wer um 9 Uhr bestellt, sieht den Stand des letzten Laufs, nicht den von jetzt.

Die Abwägung in der Übersicht

Echtzeit punktet bei Aktualität, kostet aber mehr Komplexität, mehr Last und mehr Aufwand bei der Fehlerbehandlung. Batch punktet bei Einfachheit, Stabilität und Kosten, liefert aber keine sofortige Aktualität.

Die entscheidende Erkenntnis: Es geht nicht um besser oder schlechter, sondern um passend. Und das hängt vom Datentyp ab.

Welche Daten brauchen welchen Weg?

Hier die praktische Aufteilung, die sich in den meisten Projekten bewährt.

Lagerbestände → zeitnah, oft Echtzeit oder häufiger Batch. Nichts ärgert Kunden mehr als eine Bestellung, die dann doch nicht lieferbar ist. Bestände gehören zu den zeitkritischsten Daten. Bei hoher Umschlagsgeschwindigkeit lohnt sich Echtzeit, sonst genügt ein häufiger Batch.

Preise → je nach Fall. Listenpreise ändern selten und können im Batch laufen. Kundenindividuelle Preise, die beim Login gezogen werden, sind dagegen ein Echtzeit-Fall. Wie das funktioniert, vertieft der Artikel zu Kundenpreisen im B2B-Webshop.

Bestellungen → möglichst Echtzeit. Eine Bestellung sollte schnell im ERP landen, damit Kommissionierung und Versand zügig starten. Hier ist Verzögerung direkt spürbar.

Stammdaten und neue Artikel → Batch. Neue Produkte, Beschreibungen, Kategorien oder Attribute ändern sich nicht im Sekundentakt. Diese Daten laufen gut in geplanten Läufen, ohne dass jemand etwas vermisst.

Kundendaten → meist Batch, teils Echtzeit. Neue Registrierungen oder Adressänderungen können je nach Prozess sofort oder periodisch fliessen, abhängig davon, wie schnell sie gebraucht werden.

ERP ↔ WEBSHOP · ECHTZEIT VS BATCH ECHTZEIT ERP Shop BATCH ERP Shop Echtzeit fliesst ständig, Batch kommt gebündelt — meist ist die Mischung richtig.

Die Praxis ist fast immer hybrid

Aus dieser Aufteilung folgt das Wichtigste: In der Realität ist die Frage selten Echtzeit oder Batch, sondern welche Daten wie. Ein gut gebautes System nutzt Echtzeit für das Zeitkritische und Batch für den Rest.

So bleibt der Shop dort aktuell, wo es zählt, ohne dass die Anbindung unnötig komplex und teuer wird. Genau diese Aufteilung pro Datentyp ist einer der wichtigsten Planungsschritte vor einem Anbindungsprojekt.

Warum API-Limits die Wahl mitbestimmen

Ein praktischer Punkt, der oft vergessen wird: Sowohl ERP als auch Shop haben Grenzen, wie viele Anfragen sie pro Zeit verarbeiten. Wer alles in Echtzeit synchronisieren will, läuft bei grossen Datenmengen in genau diese Grenzen, mit abgebrochenen Läufen als Folge.

Deshalb ist Batch nicht nur eine Notlösung, sondern oft die klügere Wahl für Massendaten. Die Kunst liegt darin, nur Änderungen zu übertragen und die Last sinnvoll zu verteilen. Welche Stolpersteine dabei lauern, zeigt der Artikel zu den Dynamics-365-Stolpersteinen.

Und jetzt ehrlich: Echtzeit überall klingt gut, ist aber selten nötig und fast immer teurer. Wir empfehlen sie gezielt dort, wo sie echten Mehrwert bringt, nicht aus Prinzip.

Fazit und nächster Schritt

Zusammengefasst: Echtzeit-Sync und Batch sind keine Gegner, sondern Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben. Echtzeit gehört dorthin, wo Aktualität zählt, etwa bei Beständen, Bestellungen und individuellen Preisen. Batch ist die robuste, günstige Wahl für Stammdaten und Massen. Die beste Anbindung ist fast immer hybrid, sauber aufgeteilt nach Datentyp.

Welche ERP-Systeme wir an Magento anbinden und wie wir den Abgleich planen, sehen Sie in unserer Übersicht der ERP-Schnittstellen.

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